Theater für Kinder – Räumen mit Reimen

Süddeutsche Zeitung, 22. März 2017

Urgroßmutters Pendeluhr, zwanzig Meter Wäscheleine und eine Puppe ohne Beine: Das Figurentheater-Festival für Anfänger will Kinder mit dem Stück „Oben in der Rumpelkammer“ für Wortspiele begeistern.

Von Barbara Hordych

Was so alles in einer Rumpelkammer zu finden ist, darüber staunen diejenigen, die sich eines Tages dorthin verirren, auf der Suche nach einem selten benutzten oder aussortierten Gegenstand. Darüber staunen aber auch die Allerkleinsten, wenn sie in dem Musiktheaterstück „Oben in der Rumpelkammer“ erfahren, was da an Überraschendem versammelt ist: „Ganz in Gold ein Bilderrahmen, eine Packung Blumensamen“ etwa, oder „zwanzig Meter Wäscheleine, eine Puppe ohne Beine“, dazu „für die Haare eine Schleife, Nagelschere, Trillerpfeife“ zählt Karla Andrä vergnügt auf, während sie die entsprechenden Gegenstände vorzeigt.

Begleitet wird sie dabei von ihrem Mann Josef Holzhauser auf der Gitarre. Der junge Theaternachwuchs ist fasziniert, spricht mit den beiden Darstellern gemeinsam die Reime nach, wagt sich sogar an schwierige Wörter wie „Urgroßmutters Pendeluhr“.

Seit nunmehr 24 Jahren arbeiten die Schauspielerin Andrä und der Jazzmusiker Holzhauser in Augsburg erfolgreich als „Faks Theater“ zusammen und gastieren mit ihren Theaterstücken und Konzerten nicht nur im gesamten deutschsprachigen Raum, sondern auch in Tschechien, Italien, Belgien und Frankreich. An diesem Samstag präsentieren sie beim Festival „Anfänge(r)“ die München-Premiere ihrer jüngsten Produktion „Oben in der Rumpelkammer“ nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Frantz Wittkamp.

„Ein Buch mit wunderbaren Reimen, das ganz tief in unserer eigenen Biografie verankert ist“, erzählt Karla Andrä. Ihr heute 16-jähriger Sohn habe diese Reime früher sehr geliebt, immer wieder habe sie die Verszeilen zu den Entdeckungen in der Rumpelkammer vorlesen müssen. „Dass er heute so ein sprachbegabter junger Mann ist, führen mein Mann und ich immer auf diese Sprachspielereien zurück, die Kinder einfach lieben“.

Also haben die Kleinen keine Berührungsängste bei Lyrik? Immerhin hat Frantz Wittkamp, Jahrgang 1943, für seine Gedichte bereits verschiedene Literaturpreise, unter anderem den Großen österreichischen Staatspreis, erhalten. „Ganz im Gegenteil. Kinder reagieren sehr offen auf Poesie, lieben Wortspiele und Lehrgedichte“. Insbesondere in der Kombination mit Musik komme Lyrik sehr gut an. So hat das Faks Theater auch ein Musikstück „Brecht für Kinder“ im Programm.

Doch zurück zur Rumpelkammer. „Bevor wir uns überlegten, wie wir dieses Buch auf die Bühne bringen könnten, haben wir Kontakt zu Frantz Wittkamp aufgenommen und ihn um Zustimmung zu unserem Projekt gebeten“. Der Dichter lebt mit seiner Frau, der Bildhauerin Annette Wittkamp-Fröhling, in Lüdinghausen. Wittkamp zeigte sich sehr angetan von ihrem Vorhaben. So dass er der Bühnenbildnerin Isabelle Kittnar auch erlaubte, die Illustrationen des Bilderbuchs großformatig abzumalen und für das Bühnenbild zu verwenden.

Darüber hinaus erzählte Wittkamp aber auch dem Kulturreferat der Stadt Lüdinghausen, die im Sommer eine große Ausstellung zu seinem Werk plant, von ihrem Vorhaben. „Plötzlich meldete sich das Kulturreferat bei uns, um uns für zwei Aufführungen in Lüdinghausen zu engagieren“, sagt Karla Andrä. Bevor es soweit ist, können die kleinen Theateranfänger erst einmal in München gemeinsam mit ihr auf die Suche nach dem kleinen bunten Hasen gehen, der irgendwo auf dem Dachboden gelandet sein muss.

Oben in der Rumpelkammer, ab 2 J., Sa., 25. März, 15 Uhr, Ev. Familienbildungsstätte Elly Heuss-Knapp, Herzog-Wilhelm-Str. 24,089/55224111. Festival Anfänger, 2-6 J., 23. bis 27. März, Programm unter www.figurentheater-gfp.de

 

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: