Künstler bummelt durch seine eigene Ausstellung

Kleine Hilfestellung: Frantz Wittkamp dreht den Tisch mit den 1064 Nägeln um, um zu zeigen, wo sich das Gedicht befindet. Eigentlich sollen sich die Besucher unter den Tisch legen, um das Werk zu lesen.

Kleine Hilfestellung: Frantz Wittkamp dreht den Tisch mit den 1064 Nägeln um, um zu zeigen, wo sich das Gedicht befindet. Eigentlich sollen sich die Besucher unter den Tisch legen, um das Werk zu lesen. (Foto: Arno Wolf Fischer)

Auf Tuchfühlung mit dem Künstler: Wer am Freitagabend durch die Literatur-Ausstellung in der Vorburg der Burg Vischering bummelte, kam dabei in den Genuss, die Werke von Frantz Wittkamp persönlich erläutert zu bekommen. So manche Anekdote durfte dabei nicht fehlen.
Von Arno Wolf Fischer
Dem westfälischen Landregen zum Trotz finden sich am Freitagabend Kunstfreunde in der Vorburg der Burg Vischering ein. Parallel zum Abendmarkt ist auch die Ausstellung der Künstlerfamilie Wittkamp länger geöffnet. Hier lässt sich Frantz Wittkamps Dichtkunst in Form von Kunstobjekten erleben. An diesem Abend ist der Künstler selbst anwesend, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen. In lockerer Runde – es gibt Snacks und Wein – steht er den Gästen Rede und Antwort.

Warum eine solche Plauderstunde für einen Künstler interessant ist? „Es ist schön, über die Gedichte zu sprechen. Manche Besucher sind an der Entstehung interessiert. Andere liefern eine Interpretation, die ich selber noch gar nicht kenne“, sagt Wittkamp. Mit Charme und Humor führt er durch die Ausstellung, beantwortet Fragen und streut immer wieder Anekdoten rund um die ausgestellten Werke ein.

Dann liegt man aber auch im Bett.

Frantz Wittkamp

In der Mitte des Raumes steht das „blaue Haus“: Um das darauf geschriebene Einschlafgedicht zu lesen, muss man das Haus umrunden und zwar genau 16,5 Mal. „Dann liegt man aber auch im Bett“, ergänzt Wittkamp mit einem Augenzwinkern und fasst den Gedanken hinter dem „blauen Haus“ so zusammen: „groß und in drei Dimensionen das darstellen, was man im Kleinen geschrieben hat.“

Für Erstaunen sorgt ein spiegelverkehrtes Gedicht, das mit Hilfe eines von der Decke hängenden Handspiegels lesbar wird. „Manche können das auch so lesen“, berichtet Wittkamp von seinen Erfahrungen mit vorherigen Besuchern. Nach einem erfolglosen Versuch muss Ralf Kemper schließlich lachend zugeben: „Ich glaube, dass ich diese Begabung nicht habe.“ Kemper wurde durch einen geschenkten Gedichtband auf Wittkamp aufmerksam. „Seitdem bin ich ein großer Fan. Schön finde ich, dass er so zugänglich ist. Ein total netter, humorvoller und umgänglicher Mensch“, schwärmt Kemper. Seinen Eindruck bringt er schließlich mit den Worten auf den Punkt: „Es ist immer wieder ein Erlebnis, ihn zu erleben.“

Ich finde die Ausstellung sehr aufmunternd.

Elisabeth Tewes

Von der Decke des Raumes hängt eine Tüte, auf der eine gereimte Einkaufsliste steht. Die Idee entstand durch alte Einkaufszettel, die Wittkamp im Supermarkt gefunden hatte. „Die muss ich dann einfach lesen. Das ist unwiderstehlich“, macht er den Besuchern deutlich. An anderer Stelle sorgt ein Tisch voller Nägel für Interesse. Auf die Frage nach der Anzahl der Nägel weiß Wittkamp sofort die Antwort: „Es sind 1064.“ Das unter den Nägeln geschriebene Gedicht stellt sicherheitshalber noch einmal klar: Auf den Tisch hauen sollte man hier lieber nicht. Unter dem Tisch sind schließlich die Umrisse eines menschlichen Körpers zu sehen. Ein Mord in der Kunstausstellung? Nein, denn nur wer sich in die Umrisse legt, kann das Gedicht auf der Unterseite der Tischplatte lesen.

„Man hat viele Aha-Erlebnisse, und ich finde die Ausstellung sehr aufmunternd“, berichtet Elisabeth Tewes von ihrem bisherigen Eindruck. Und Gertrud Richte­rich ergänzt: „Es ist immer eine Wendung drin, bei der man stutzt und zum Nachdenken angeregt wird.“

Bei Wein und lockeren Gesprächen lassen Künstler und Besucher den Abend schließlich ausklingen. Wer die Objekte selbst in Augenschein nehmen möchte, hat noch bis Ende des Monats Gelegenheit dazu. Die Werke von Frantz Wittkamp sowie von seiner Frau Annette und seiner Tochter Julia sind bis zum 27. August (Sonntag) in den Burgen Vischering und Lüdinghausen zu sehen.

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